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Wissen & Rat Dr. Smyrka

Wahrhaftige Männlichkeit

von Michael Smyrka

Für alle Männer, die sich selbst und ihre Gefühle besser verstehen wollen.

Männlichkeit beweist sich nicht durch Pflichterfüllung, ein Liebhaber überzeugt nicht durch Erklärungen oder Wunschvorstellungen. Wie können sich Männer authentisch ausdrücken und positiv leben? Wo sind sie durch Verbote oder Ängste blockiert? Wo fühlen sie sich schuldig oder verletzt, weil über Grenzen gegangen wurde?

Hinter den ganz unterschiedlichen Problemen, die Männer belasten, verbirgt sich eine wesentliche Ursache: Angst. Angst ist die Wurzel vieler negativer Gefühle und Verhaltensweisen. In den meisten Fällen ist diese jedoch verdeckt und nicht mehr direkt zugänglich.

Ein weit verbreitetes Gefühl bei Männern, ist, „es“ nicht zu schaffen. Sie haben das Empfinden, keinen Halt zu haben, allein und verlassen oder einfach nur unglücklich und nicht vollständig zu sein. Sie spüren, dass ihnen etwas fehlt, können es aber nicht benennen. Dann suchen sie hier und dort, strengen sich an, versuchen ständig Kontrolle auszuüben und erreichen das, was sie brauchen, dennoch nicht.

Dadurch werden sie mit sich und anderen unzufrieden, enttäuscht oder depressiv. All dies entspringt tiefen Ängsten und unbewussten Sehnsüchten. Jeder Mann sucht seine Quelle, einen Weg zu sich selbst und den Sinn seines Lebens. Was ihm den Weg versperrt, sind seine Verletzungen und Schuldgefühle.

Es braucht Mut, dass sich Männer des Teufelskreises bewusst werden, indem sie stecken, so dass sie erkennen können, wie sie  durch Unbewusstheit sich selber schaden. Das Eingeständnis des eigenen Scheiterns, die Überwindung einer Praxis der Kontrolle, der Gefühllosigkeit oder der Verdrängung kann den Ausgangspunkt markieren für eine grundsätzlich neue Perspektive und einen erfolgreichen Wandel.

 

Wenn Männer sich erlauben, ihre (emotionale) Leere, ihren Mangel und ihre Verletzlichkeit zu spüren, sind sie bereit, sich wirklich zu verändern. Bereitwilligkeit heilt die Angst und Heilung bedeutet Annahme und Zulassen, was wirklich ist. Dies ist ein anderer Ausdruck für Liebe bzw. Bedingungslosigkeit. Echte Liebe ist nur zu erleben, wenn Mann zur Selbstliebe fähig ist. Diese grundlegende Abfolge bewirkt, dass Männer, die achtsam und liebevoll mit sich selbst sind, auch Liebe ausstrahlen und eine entsprechende Resonanz erhalten. Liebe ist das Gegenteil von Angst und weit mehr als ein Gefühl. Es ist ein Seinszustand, der Angst wenig Raum lässt.

Der Ausstieg aus dem Teufelskreis von Schuld und Verletzung erfolgt  schrittweise und behutsam. Viele Männer haben in ihrem Leben die Erfahrung gemacht, dass ihnen etwas fehlt oder vorenthalten wurde. Sie wünschen sich Unterstützung, Anerkennung, Wärme, Mitgefühl und leben auf, wenn sie diese erleben können. Gleichzeitig, oft unbemerkt, wächst die Befürchtung des Verlustes derartiger „paradiesischer Zustände“. Das hat zur Folge, dass Männer unbewusst und quasi automatisch ins Festhalten und Kontrollieren kommen. Hierin besteht  nun die Hauptursache allen Schmerzes.

Die tieferen Empfindungen des Lebens können nicht „geplant oder kontrolliert“ werden. Sie ergeben und regulieren sich durch Loslassen und Aufgabe von Kontrolle. Dazu müssen Ängste immer wieder gefühlt werden dürfen, solange bis sie sich auflösen können. Es stellt eine Herausforderung dar, sich ihnen bewusst zu stellen und mögliche Empfindungen von Schuld, Scham, Widerstand oder Selbstverleugnung durchzuarbeiten. Angst und Abwehr können nur ihre emotionale Macht ausüben, wenn wir nicht in unserer Mitte sind, wenn wir in der Zukunft oder der Vergangenheit leben. Die Furcht vor schmerzlichen kommenden Erfahrungen oder Zeiten speist sich aus dem Kummer vergangener Tage. Solange wir im Hier und Jetzt sind, treten sie nicht auf! Angst entsteht nur durch die Vorstellung, dass die Zukunft  nichts Gutes bringen könnte. Insofern ist die Praxis der Selbstliebe sehr einfach. Sie bedeutet die Vergangenheit und die negativen Vorstellungen über zukünftige Geschehnisse loszulassen und konsequent in der Gegenwart zu leben und zu fühlen.

Veränderung heißt aber nicht nur Mangelempfindungen zu beseitigen oder alte Wunden zu heilen, sondern etwas Grundsätzliches zu heilen: Wieder in Verbindung zu kommen mit der ursprünglichen, allen Menschen innewohnenden Vertrauensfähigkeit. Dies ist wie ein schrittweises Fortschreiten zur Quelle. Schrittweise meint, die Ängste Schicht für Schicht zu durchschreiten. Diese Haltung ist wichtig, denn Angst zeigt sich, besonders in problematischen Situationen, durch die Furcht vor dem nächsten Schritt, z.B. beim Aufgeben von Forderungen, Erwartungen und dem Preisgeben tiefer, „nackter“ Empfindungen, Bedürfnisse. Möglicherweise zeigt die Angst sich auch noch in anderen Empfindungen wie der Furcht vor  Lebendigkeit, dem Weiblichen oder der Verantwortung für andere. Vielleicht besteht auch eine Furcht vor Hingabe, Anvertrauen, Sexualität oder Annehmen. Im Kern  ist aber die Angst vor dem Loslassen ein Ausdruck für die Furcht vor der eigenen Freiheit und der Hingabe an das Leben selbst.

Letztere symbolisiert den letzten Schritt auf dem Weg von Veränderung und Heilung: die Rückkehr ins Vertrauen und das gleichzeitige Eingeständnis grundsätzlicher Verletzbarkeit. Diese können wir per se nicht vermeiden, weil wir das Leben und andere Menschen nicht kontrollieren können. Indem wir uns jedoch öffnen und anvertrauen, erinnert sich unser Unbewusstes daran, wer uns im Leben zur Seite gestanden, uns geholfen und uns geliebt hat. Durch das Bewusstmachen dieser Ressourcen wird die Macht der Angst reduziert.

Auf Grund der Trennung von ihren Gefühlen haben viele Männer den Bezug zu echter Liebe, deren Ausdruck ja ihre eigene Existenz ist, vergessen. Die Erinnerung an die eigene Liebe und Liebesfähigkeit ermöglicht ihnen, das Geschenk ihrer Empfindsamkeit und Empathiefähigkeit wieder erleben zu können. Aus einem unerfüllten, „hungrigen“ Mann wird dann ein gebender, schenkender, zufriedener Mann. Dies ist die Basis für gesunde Beziehungen, Freundschaften und ein authentisches Selbst.