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Wissen & Rat Dr. Smyrka

Beziehungs-Crashkurs

von Michael Smyrka

Was Männer für sich und ihre Partnerschaft tun können

Teil 1:

Viele Männer wünschen sich Erfüllung und Zufriedenheit – und ersehnen sich dies zuallermeist von einer Frau. Darauf hingewiesen,  müssen  sie sich eingestehen, dass es ihnen schwer fällt, mit sich selbst glücklich zu sein. Dies zu erkennen, ist ihnen unangenehm und manchmal können sie sogar eine innere Verwirrtheit spüren. Ihr Fühlen, Denken und Sehnen ist in so starker Weise auf die Beziehung zu Frau gerichtet, dass sie verlernt haben, mit sich selbst in Berührung zu sein und einen Sinn in sich selbst zu finden.

Schon als Kind haben sie nach Frau gerufen, wollten ihr als Junge die Welt zu Füßen legen, sie auf Händen tragen und beschützen. Instinktiv versuchten alle kleinen Männer der ersten Frau in ihrem Leben die Wünsche von den Augen abzulesen, sie zu erobern und zu verführen, waren hungrig nach ihrer Liebe und Bestätigung. Eine wirkliche Sicherheit und Erfüllung haben allerdings die wenigsten Jungen erlebt. Sie haben sich häufig über die Maßen angestrengt und bemüht und mussten doch enttäuscht feststellen, dass  sie nicht das erreichten, was sie sich erwünschten.

So ist es nicht verwunderlich, dass männliche Lebensläufe unter der Oberfläche durchzogen sind von Empfindungen der Ratlosigkeit, Resignation, Ohnmacht, Enttäuschung oder Schuld. Um diese tief in Männern steckenden Gefühle verstehen und auflösen zu können, ist es wichtig, die Dynamik zwischen Männern und Frauen genauer zu erforschen. Das weit verbreitete männliche Unwohlsein beruht nämlich weder auf Schicksalshaftigkeit noch auf dem feministischen Urteil, dass Männer schlichtweg „Schweine“ sind. Weder sie selbst, noch die Gesellschaft, noch die Frauen sind schuld. Nichtsdestotrotz befindet sich der heutige Mann in der Krise – und dies kann vor allem als Sinn- und Beziehungskrise angesehen werden.

Beziehungen sind für immer weniger Frauen und Männer ein dauerhaft sicherer Ort emotionaler, körperlicher und seelischer Geborgenheit und Regeneration. Die Partner „verhungern“ häufig in ihren Partnerschaften und sind verzweifelt auf der Suche nach „richtiger Nahrung“. Ihre Sprachlosigkeit führt dabei -trotz aller Anziehung und Liebe - zu Unzufriedenheiten, Spannungen und Konflikten, die immer häufiger in Trennungen münden.

Viele Männer fühlen sich in der Klemme, gleichzeitig wissen sie aber nicht, wie sie mit ihren Problemen und Sorgen angemessen umgehen sollen. Gespräche beim Bier schaffen bestenfalls kurzzeitige Linderung und eine Beratung beim Therapeuten brauchen aus der immer noch weitverbreiteten männlichen Sicht nur „Weicheier“. Also scheint die Lösung bei der Frau zu liegen: Frauen sind für die meisten Männer der zentrale Focus ihres Lebens. Sie erhoffen sich, in der Partnerschaft Verständnis,  Anerkennung und Geborgenheit zu finden.

Oft ist es dann erschütternd und schmerzhaft zu sehen, wie Männer quasi aus allen Wolken fallen und enttäuscht feststellen müssen, dass Beziehung anstrengend und kein einfaches Allheilmittel ist. Immer mehr Männer verstehen die Welt bzw. ihre Beziehungen nicht mehr, so dass sie in Sprach- und/oder Hilflosigkeit geraten. Überdies werden sie vermehrt mit weiblichen Emanzipationsbestrebungen, Vorwürfen, Ablehnung oder Verachtung. Da sie diese „weibliche Sprache“ nicht verstehen und deuten können und da sie zumeist kein funktionierendes Selbstliebe- und Selbstschutzprogramm besitzen, besteht ihre Reaktion darin, sich in Arbeit, Resignation, Kompensation, Selbstmitleid oder die nächste Beziehung zu flüchten.

Da haben Frauen ein leichtes Spiel, ihre Männer auf die Anklagebank zu schicken. Zum einen fühlen sie sich zumeist berufen, ihre Männer auf Trapp zu bringen,  zum anderen scheint es für sie nahezu selbstverständlich, bei Schwierigkeiten und Beziehungskrisen die Schuld ihrer Unzufriedenheit, ihres Unglücks und ihrer Unerfülltheit beim Manne zu suchen. Wie kommt es nun, dass Männer immer häufiger zum Sündenbock gestempelt werden? Erstaunlicherweise kann festgestellt werden, dass sie selbst viel dazu beitragen, denn ihr Auftreten und ihre Erscheinung erwecken in der Frau tiefe, instinkthafte Sehnsüchte und Erwartungen.

In der Verliebtheitsphase verwandelt sich der Mann nämlich in ein völlig verändertes, manchmal fast göttliches Wesen. Er ist aufmerksam, richtet all seine Energie auf die Frau, ist offen, phantasievoll, leidenschaftlich, mutig und würde nie auf die Idee kommen, Frau zu kritisieren. Selbst ihre seltsamsten Eigenschaften findet er liebreizend, amüsant und anziehend. Das ist für die Frau betörend und verführerisch und in ihr macht sich die Schlussfolgerung breit: Wenn Männer zu so wunderbarem Verhalten fähig sind, warum sollte es nicht für  immer so bleiben. Das provoziert  allerdings die Gefahr,  sich mehr von Übertragungen als von realitätsbezogenen Wahrnehmungen bestimmen zu lassen; denn das tief verwurzelte Bild des edlen, weißen Ritters, existiert auch heute noch in vielen Frauen.

Diese Illusion wird von weiblicher Seite in die Beziehung hineingetragen.  Der Erkenntnis, dass ihre Beziehung  konfliktfreier wäre, wenn sie akzeptieren könnten, dass Männer grundsätzlich anders sind als ihre Vorstellungen und Erwartungen, können sich viele  Frauen nur schwer öffnen. Stattdessen schreiben sie die nach der Verliebtheitsphase eintretenden Entfremdungsge-fühle dem Mann als persönliches Versagen zu. Sich selbst machen sie zum Opfer, das das Missgeschick einer falschen Partnerwahl ereilt hat.

„Vielen Frauen geht es irgendwann wie der Feenkönigin im Sommernachts-traum und ihr Mann erscheint ihnen so fremd, als ob es sich um einen Esel handelte. Sie finden seine Haarigkeit abstoßend, seine Essgewohnheiten hemmungslos, seine Ausdünstungen überwältigend, sein Hufgepolter grob, seine Kommunikationsfähigkeit kläglich, seine Sturheit zum verzweifeln, sein Geschrei ekelhaft, sein Geschlechtsteil monströs und seinen Mundgeruch geradezu gesundheitsschädlich“,  Schwanitz im Buch „Männer“.

Die Fremdheit und die die Unsicherheit im Umgang mit der geschlechtlichen Andersartigkeit ist bei Männern im gleichen Maße zu verzeichnen. Für sie könnte die Beziehung zur Frau zu einem belebenden und förderlichen Spiegel werden, der ihnen beispielsweise Bereiche ihrer Persönlichkeit aufzeigt, wo sie sich unsicher, verletzlich oder gar nicht fühlen. Die Klage und die Wut der Männer über das Unverständnis ihrer Partnerinnen macht letztlich nur deutlich, wie wenig sie die Bedeutung der weiblichen Sicht verstanden und als Tor zu einer anderen Wirklichkeit erkannt haben.

In meiner langjährigen Arbeit mit Männern musste ich erkennen, dass empathisches Wahrnehmen für sie auch heute noch keineswegs selbstverständlich ist. Insbesondere Angst, Schmerz oder Scham werden quasi automatisch aus ihrem Bewusstsein verdrängt. Dadurch haben diese Empfindungen allerdings nicht ihre Wirkung verloren. Ihrem idealisierten Selbstbild entsprechend werden problematische Empfindungen von Männern nur stillschweigend tabuisiert oder geleugnet, auch wenn ihr tägliches Denken und Fühlen ständig damit beschäftigt ist.

Frauen können diesen grundlegenden Mechanismus der Verdrängung und Selbstverleugnung schnell wahrnehmen. Sie spüren, wenn ein Mann sich seiner selbst nicht sicher ist, unter Druck steht anders sein zu müssen oder zu wollen, sich nicht offen und vertrauensvoll verhält und seine wahren Empfindungen nicht Preis gibt. Indem Männer gelernt haben, das Empathische in sich durch Erklären, Planen und Kontrollieren zu ersetzen, entfernen sie sich aus der unmittelbar gefühlten Wirklichkeit ihrer Partnerschaft. Da Frauen zumeist ein feines Gespür für Verbundenheit und Resonanz haben, fangen sie an, sich über Dissonanzen zu beschweren.

Ihre Kritik, die sich nicht selten symbolisch bzw. grundsätzlich äußert, könnte nun aus einer bewussten  männlichen  Haltung heraus als Hinweis verstanden werden, sich mit den eigenen „blinden Flecken“ auseinanderzusetzen, anstatt sich über die Partnerin zu beschweren. So stehen viele Männer an einer Weggabelung: Fehlt ihnen das Verständnis für das spezifisch Weibliche, werden sie die Kritik ihrer Partnerinnen auch weiterhin als Angriff und als ungerecht empfinden.

Wenn Männern bewusst wird, dass sie durch ihre Suche nach Anerkennung und Bestätigung im Außen oder bei der Partnerin in eine schwache und abhängige Rolle geraten, können sie beginnen, ihre innere Trennung von Denken und Fühlen, von Angst und Liebe überwinden und heilen. Sie lernen Schritt für Schritt auf falsche Posen der Macht und Kontrolle zu verzichten und können weibliche Kritik als Hinweis fehlender Authentizität akzeptieren. Immer wieder wird von weiblicher Seite gesagt, dass ein Mann, der nur funktioniert, dann erschöpft abhängt, nicht initiativ ist und sich ständig rechtfertigt wenig Attraktivität besitzt. Für Frauen erscheinen emotional leere und erstarrte Männer grau, manchmal sogar abstoßend.

Beziehungen können als Bühne aller weiblichen und männlichen Persönlichkeitsanteile angesehen werden. Knirscht es im Zusammenspiel, entstehen Beziehungsprobleme. Von männlicher Seite genügt es dann aber nicht, einen Blumenstrauß zu kaufen und zu hoffen, dass alles wieder gut wäre. Denn Beziehungen ebenso wie die Liebe selbst sind ein lebendiger Organismus, der sich ständig entwickelt und von vielseitigen Kräften bestimmt wird.

Immer aber wird in einer bewussten und erfüllten Beziehung das Herz und das Anvertrauen im Zentrum stehen. Will ein Mann eine glückliche Partnerschaft leben und fängt an, sich emotional zu öffnen, wird dies mit allergrößter Sicherheit nicht als Zeichen der Schwäche, sondern des Mutes empfunden. Die Männer selbst können sich dann mehr und mehr ihr natürliches Bedürfnis nach Verbundenheit, Empathie und Sicherheit eingestehen und sich im Kontakt mit ihren Partnerinnen entspannen.

Nur in der Entspannung, nicht im Stress und im Ausgebrannt sein ist es Männern möglich, ihren Sinn und ihre essenziellen Werte zu erkennen. Wenn ein Mann sich dazu noch an seine eigentlichen, ursprünglichen Qualitäten erinnert, kann er erfahren, wie gut es sich anfühlt, sich auch anderen Männern zu öffnen, anzuvertrauen und von diesen echte Resonanz und Unterstützung zu erhalten.

Männer waren immer schon mutig und konnten gut entdecken, suchen, erforschen und sich dem Unbekannten stellen. Es wäre sicherlich für viele Partnerschaften ein Gewinn, wenn sich die Männer dem Unbekannten in sich selbst stellen würden. Diese Forschungsreise muss nicht exklusiv sein, sondern hauptsächlich wahrhaftig. Das dabei im Körper und im Nervensystem wahrzunehmende Empfinden von „Richtigkeit“ sorgt für Entspannung und Sicherheit und stellt eine perfekte Orientierungshilfe, nicht nur in Beziehungsfragen, sondern in allen Lebensbereichen dar.