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Wissen & Rat Dr. Smyrka

Die Basis glücklicher Beziehungen

von Michael Smyrka

Kann moderne Hirnforschung Beziehungskonflikte lösen?

Erkenntnisse der Hirnforschung haben in letzter Zeit Hochkonjunktur und man könnte meinen, dass die Neurowissenschaften zu einem modernen Allheilmittel gemacht werden sollen. Eine derartige Suggestion wäre jedoch gefährlich, denn Allheilmittel gibt es nicht. Aber fragen wir uns, ob die moderne Hirnforschung vielleicht Licht in die Entstehungsgründe von Stress und Beziehungskonflikten bringen kann. Dies wäre dringend notwendig, denn für viele Menschen ist ihre Partnerschaft kein Ort der Geborgenheit und Erfüllung mehr. Sie fragen sich: Was ist mit unserer Liebe passiert, wo ist sie hin? Statistisch gesehen lebt in Deutschland eine Minderheit in glücklichen Beziehungen. Dass Paare – früher oder später – Beziehungsprobleme bekommen, liegt allerdings in der Natur der Sache. Dafür muss sich niemand schämen oder ängstigen. Viel wichtiger für das Verständnis von Beziehungen ist jedoch, wie in einer Partnerschaft mit Konflikten, Enttäuschungen und Zweifel umgegangen wird. Oft verstehen die Partner die Dynamik und die Ursprünge ihrer Empfindungen und Verhaltensreaktionen nicht und suchen in ihrer Hilflosigkeit und Gereiztheit im anderen einen Blitzableiter.  Dadurch entstehen meist emotionale Teufelskreise, denn die Ursache des Stresses wird nicht transformiert. Wiederholte, unkontrollierte Spannungsentladungen gefährden jedoch die Bindungssicherheit der Partner erheblich.

Was ist zu tun?

Das erste ist, so viel wie möglich über die Gesetzmäßigkeiten der Beziehung von Frau und Mann zu lernen. Den meisten Partnern fehlt es nicht an der Bereitschaft zu lieben, sondern sie irren orientierungslos im unbekannten „Kontinent Beziehung“ umher. Wie Beziehungen „gehen“, wurde ihnen nicht vermittelt, stattdessen erleben sie schmerzhaft, dass ihre Partnerschaft  sich nicht „richtig“ anfühlt, sich an einem toten Punkt befindet.

Win –Win Gemeinschaft

Eine einfache, aber nicht genug zu betonende Erkenntnis für glückliche Beziehungen ist, dass  immer beide Partner verantwortlich sind und beide gleichermaßen zufrieden sein sollten.  Schuldzuweisungen mit der Absicht, den anderen ins Unrecht zu setzen, sind für eine Beziehung ebenso zerstörerisch wie das Bloßstellen oder das Herabwürdigen des anderen.  Partnerschaft ist die Suche nach einem Gleichgewicht zwischen Nähe und Freiheit, Verbundenheit und Selbstverwirklichung und muss für beide eine Win-Win Situation darstellen. 

Wenn in einer Beziehung die Partner über längere Zeit unglücklich sind, werden ihre Schmerzzentren im Gehirn aktiviert.  Entsprechend ihrer jeweiligen Dispositionen empfinden sie mehr oder weniger an Leid, Schmerz, Enttäuschung oder Resignation. Gespeist wird der neurologische Apparat, der das Schmerzzentrum steuert, durch Informationen  aller fünf Sinne. Das erklärt, weshalb die in der klassischen Paartherapie erlernten, allein verbalen Absprachen und guten Vorsätze keine anhaltende Wirkung haben.

Warum gute Vorsätze nicht viel nützen

Empfindungen von Nähe, Bindungssicherheit, Entspannung, Liebe und Leidenschaft werden wesentlich durch das Angst- und Stresszentrum des Gehirns gesteuert und nur partiell durch den Verstand. Unsere Nervensysteme funktionieren noch immer wie in archaischen Zeiten. Beziehungsstress ist für das Sicherheitsempfinden des Menschen eine höchst bedrohliche Angelegenheit. „Aus der Sicht des Gehirns“ wird die Belastungs- bzw. Stressgrenze nicht nur durch körperlichen Schmerz gereizt, sondern ebenso durch emotionale und soziale Verletzungen, Verunsicherungen oder Demütigungen. Beim Umgang mit Konflikten ist daher Vorsicht geboten:   Wenn wir uns der Schmerzgrenze des Partners nähern, werden wir Aggression ernten. Dies gilt überdies nicht nur für einen am eigenen Leib erlebten Schmerz, sondern auch, wenn wir mitbekommen, wie einem anderen Menschen wehgetan wird. Die sogenannten Spiegelneuronen sorgen dafür, dass wir mitfühlen können, was andere erleiden. Dies erklärt die Entstehung vieler Beziehungskonflikte, bei denen die eigenen Kinder beteiligt sind.

Bindungssicherheit und Geborgenheit

Moderne neurobiologische Erkenntnisse machen deutlich, dass keiner der Partner einfach „sein Ding“ machen kann und,  dass es eine Illusion ist, sich durch Vermeidung oder Trennung unangenehmer Empfindungen entledigen zu können. Der gesamte Organismus speichert Erfahrungen und der Mensch „lernt“ ständig – auch aus negativ empfundenen Ereignissen  wie Stress, Schock oder Schmerz und zieht daraus seine Rückschlüsse. Will man die Prozesse  menschlicher Bindung angemessen verstehen und therapeutisch begleiten, muss man berücksichtigen, dass es in Partnerschaften immer um die Beziehung von Gehirn zu Gehirn, Körper zu Körper oder Seele zu Seele geht. Die Nervensysteme der Partner kommunizieren auch miteinander, wenn nicht geredet wird. Bindungssicherheit braucht die aktive Mitwirkung des anderen.  Dies ist manchmal schwierig in Beziehungen, wo Menschen lieben und vertrauen und dann verletzt oder benutzt werden. Der Traumatherapeut Peter Levine sagt dazu: „Dadurch entsteht ein Double-Bind (eine paradoxe Kommunikationssituation mit zwei sich ausschließenden Botschaften), die das grundlegende Selbstgefühl von Menschen und ihr Vertrauen in die eigenen Instinkte untergräbt“.

Im Beziehungsstress sind keine konstruktiven Lösungen möglich

Ist eine Beziehung bestimmt von ungelösten Konflikten, anhaltendem Stress,  Resignation oder Distanz, befinden sich die Nervensysteme der Partner im Stresszustand, im „sympathikotonen Modus“,bei dem es aus der Sicht des Gehirns ums Überleben geht und keine entspannte Kommunikation möglich ist. Mitfühlendes Anvertrauen und partnerschaftliches Verständnis sind dann nicht möglich und müssen erst durch Inanspruchnahme von Hilfe und stabilisierende Maßnahmen vorbereitet werden.

Neuer Schwung für eine glückliche Partnerschaft

Die wenigsten von uns sind zu Beginn einer Paarbeziehung „beziehungsfähig“, das können wir erst in der Beziehung selbst werden. Beziehungen sind ein „Versuchslabor“, in dem wir lernen können, was Liebe wirklich ist. Paare brauchen eine „3. Kraft“, ein gemeinsames Bewusstsein und eine „präventive Haltung“. Sie müssen entscheiden, ob sie sich aktiv oder reaktiv in Bezug auf die Qualität ihrer Beziehung verhalten wollen. Investieren wir beizeiten in unsere Partnerschaft oder erst, wenn die roten Lampen leuchten?

  1. In einer Konfliktsituation brauchen die Partner Abstand, sichere Grenzen und Absprachen, damit sie sich beruhigen können, sonst führen schon kleinste Anlässe zu erneuter Eskalation.
  2. Mit angemessener innerer und/oder äußerer Distanz können sie eine veränderte „Draufsicht“ auf ihre Partnerschaft bekommen und lernen, sich als verantwortliche Beziehungspartner und nicht als Beziehungsopfer wahrzunehmen. Sie können lernen zu akzeptieren, dass es immer zwei Wahrheiten in der Beziehung gibt, und dass der Partner oft wirklich anders wahrnimmt.
  3. Diese Einsicht ermöglicht ihnen, „bei sich“ zu bleiben. Das stellt  die Voraussetzung dar, mit schwierigen und bedrohlichen Gefühlen umgehen zu können.
  4. Ermöglicht wird dies, indem die Aufmerksamkeit vom denkenden Verstand  auf eine erweiterte, Körpersignale und tiefere Empfindungen einschließende Wahrnehmung gelenkt wird. Die Partner können dann, unterscheiden, was echte Emotionen und was „gedachte Gefühle“ sind.
  5. Der Satz: „Ich fühle, dass du nicht ehrlich zu mir bist“, drückt kein eigenes Gefühl aus, sondern stellt eine Projektion dar und kommt beim Partner meistens nicht gut an. Projektionen stellen über 90 % der normalen Beziehungskommunikation dar.
  6. Den Partner mit Worten in die Enge oder Schuld zu treiben, Machtkämpfe und recht haben wollen, erhöhen den Beziehungsstress und führen auf Dauer unvermeidlich zur Trennung.
  7. Woran können die Partner merken, dass ihr Verhalten, ihre Worte und ihre Kommunikationsform in die falsche Richtung gehen? Beide müssen sich in Momenten relativer Ruhe und Entspanntheit grundsätzlich bewusst machen, was sie wirklich wollen: Wollen sie unbewusst auf eine Trennung hinarbeiten oder die Verbindung erhalten und stabilisieren? Wenn sie Trennung wollen, arbeiten sie gegen den anderen, wenn sie Verbundenheit wollen, gehen sie unter allen Umständen respektvoll miteinander  um – so als wären sie selbst an der Stelle des Partners.
  8. Ein konsequentes „von sich sprechen“ und in der Jetzt-Realität bleiben bewirkt ein rasches Umschalten im Gehirn und ein verändertes Beziehungsklima. Die Partner können trotz unterschiedlicher Standpunkte und Empfindungen aktiv in den parasympathischen Entspannungsmodus  umschalten. Die Folgen sind  häufig spontane Empfindungen von emotionaler Wärme, Nähe und Mitgefühl.
  9. Eine Partnerschaft ist immer ein Spiegel für das eigene Selbst. Beziehungsfähigkeit beinhaltet auch, mit sich allein zufrieden sein zu können, sich in der eigenen Haut wohl zu fühlen. Jeder Partner hat den Schlüssel für sein Wohlbefinden in der Beziehung in der eigenen Hand.
  10. Eine von Achtung und Liebe getragene Beziehung schafft Sicherheit und ermöglicht es, mit Alltagsstress konstruktiv umzugehen. Vor allem aber stellt sie die Basis dar, dass die Partner sich gemeinsam entwickeln und alte Wunden heilen können. Der Mut in der Partnerschaft kann wachsen, sich selbst zu reflektieren und auch zu verstehen, was jeder mit in die Beziehung eingebracht hat. Die Beziehungsgrenzen können erweitert werden, indem die Partner sich öffnen für inspirierende und unterstützende  soziale Kontakte.